Als die Soldaten kamen – Radiointerview auf Deutschlandfunk

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Ein Kommentar zu Als die Soldaten kamen – Radiointerview auf Deutschlandfunk

  1. Avia sagt:

    Ich wünsche dem Buch viele Leser/innen. Möge es dazu beitragen, dass man in den Familien die noch lebenden Frauen um die 90 befragt, darüber was sie selbst erlebt haben oder von anderen mitbekommen haben. Viele alte Menschen sind geistig noch sehr rege und auch bereit, zu erzählen, wenn man ehrliches Interesse zeigt.
    Ich selbst habe seit nun schon zwei Jahren geduldig meinen Vater befragt (bald 90, geistig vollfit), er wollte erst nicht (hatte zuvor auch niemals etwas vom Krieg erzählt). Ich ließ aber nicht locker und meinte, er soll für die Nachfahren was berichten, damit sie nicht nur auf Geschichtsbücher angewiesen sind, er hätte doch sehr direkt als Zeitzeuge etwas erlebt. Darauf hin hat er sich doch noch erinnert, eigentlich mehr als mir lieb war. Und als ich schließlich merkte, dass er kein „Ewiggestriger“ war sondern sehr kritisch der eigenen Geschichte gegenüber, da hörte ich auch besser zu.
    Viele scheinbar unwichtige Details sind von ihm so nebenbei erzählt worden, ich nenne nun eins, weil es zu dem Buch von Miriam Gebhardt passt und mir darum wieder bewusst wird:
    Anfang Mai 1945 bei der Aufnahme in ein amerikanisches Lager an der Elbe, kamen zwei Wehrmachtshelferinnen verstört und hilfesuchend zu den schon lagernden gefangenen Soldaten und erzählten, sie wären vergewaltigt worden. (Ich hatte nicht nach der Lage von Frauen gefragt, kam gar nicht auf die Idee, es war freie Erinnerung meines Vaters, das Ereignis hatte ihn offenbar so bewegt, dass er sich das gemerkt hat) Mein Vater kommentierte das Ereignis in seiner Erzählung so: „Aber was hätten wir denn machen sollen?“
    Man hat so etwas einfach ohnmächtig hingenommen, weil man ja der Besiegte war.

    Ich selbst habe ca. 1960 als Kind Frauengespräche mitgehört, da hat eine Frau in unserem Wohnhaus von ihren Kriegserlebnissen erzählt (war nicht für Kinderohren bestimmt, aber ich hörte eben doch alles mit, die diffuse Angst habe ich mir gemerkt bis heute), dass sie in einem Keller in München Angst vor den amerikanischen Soldaten gehabt hätten und die jungen Mädchen versteckt hätten.
    Und dass man die schwarzen Soldaten besonders bestraft hätte. Warum habe ich mir ausgerechnet diese Details so gut gemerkt?

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